Wartungsheft Ratgeber

Werkstattrechnung verstehen: Was bedeuten die Positionen?

23.09.2026

Eine Werkstattrechnung ist oft zwei Seiten lang und voller Kürzel. Wer sie lesen kann, erkennt Fehler, vergleicht Garagen und hat später einen sauberen Beleg für das Serviceheft.

Die typischen Positionen

Arbeit. Die Arbeitszeit wird entweder nach tatsächlich gebrauchter Zeit oder nach Arbeitswerten (AW) verrechnet. Arbeitswerte sind Vorgabezeiten der Automarken für bestimmte Wartungs- und Reparaturarbeiten (Wikipedia). Multipliziert mit dem Stundensatz der Garage ergeben sie den Preis. Laut TCS können sich sowohl die Stundensätze als auch die Arbeitswerte von Garage zu Garage unterscheiden (TCS).

Stundensatz. Laut Figas Autogewerbe-Treuhand liegt der Durchschnitt in der Schweiz bei rund 160 Franken pro Stunde, 2007 waren es noch etwa 132 Franken; rund um Zürich, Genf und Bern sind die Tarife höher (Nau, 2024).

Material und Ersatzteile. Jedes Teil mit Teilenummer, Menge und Preis. Beim Öl steht der Literpreis: Blick berichtete 2021 von einer Garage, die 5,5 Liter à CHF 32.77 verrechnete, während derselbe Liter online rund CHF 20 kostete (Blick). Der Literpreis ist also eine der Positionen, bei denen sich Vergleichen lohnt.

Pauschalen. Kleinmaterial, Entsorgung oder Umweltabgaben erscheinen oft als eigene Zeile. Frag nach, wofür sie stehen, wenn sie dir hoch vorkommen.

MWST. Der Normalsatz beträgt seit 2024 8,1 Prozent (ESTV). Achte darauf, ob die Positionen netto oder brutto aufgeführt sind; das Total inklusive MWST ist der Betrag, den du bezahlst.

Was auf der Rechnung stehen muss

Eine MWST-pflichtige Garage muss auf der Rechnung ihren Namen, Ort und ihre MWST-Nummer, deinen Namen und Ort, das Datum, Art und Umfang der Leistung sowie Entgelt, Steuersatz und Steuerbetrag angeben (Art. 26 MWSTG). Der Kilometerstand ist keine Pflicht, steht aber meistens drauf. Achte darauf, dass er stimmt: Er ist später der Beleg, dass dein Tacho nicht manipuliert ist.

Kostenvoranschlag: wie viel darf es mehr sein?

Wird ein ungefährer Kostenansatz ohne dein Zutun unverhältnismässig überschritten, darfst du vom Vertrag zurücktreten (Art. 375 OR). Das Gesetz nennt keine Prozentzahl. Als Faustregel gelten bis zu zehn Prozent als zulässig (Beobachter), der TCS nennt für Garagen ebenfalls zehn Prozent in begründeten Fällen (TCS-Formular).

Am sichersten ist ein Höchstbetrag: Der TCS rät, ihn bei der Auftragserteilung zu vereinbaren. Wird er überschritten, muss dich die Garage vorher kontaktieren (TCS).

Nicht bestellte Arbeiten

Führt eine Garage Reparaturen ohne Auftrag aus, kannst du die Bezahlung verweigern, und die Garage muss beweisen, was bestellt war (SRF Espresso). Darum lohnt sich ein schriftlicher Auftrag. Der TCS bietet dafür zusammen mit dem Autogewerbeverband das Formular «Auftrag an den Garagisten» an (TCS). Vergleiche die Rechnung danach mit den Preisen, die in der Garage aushängen müssen.

Wenn die Reparatur mangelhaft ist

Prüfe das Auto nach der Abholung, sobald es geht, und melde Mängel sofort, sonst gilt die Arbeit als genehmigt (ACS). Ansprüche wegen Mängeln verjähren zwei Jahre nach der Abnahme (Art. 371 OR).

Bezahlst du nicht, darf die Garage das Auto grundsätzlich zurückbehalten, bis die Rechnung beglichen ist (Saldo). Bei Streit über die Rechnung lohnt sich darum rechtliche Beratung, bevor die Situation eskaliert.

Rechnung aufbewahren

Jede Werkstattrechnung ist ein Stück Fahrzeughistorie. Sie belegt Wartungen im Garantiefall, Kilometerstände beim Verkauf und zeigt dir am Jahresende, was das Auto gekostet hat. Wie viel das insgesamt ist, zeigt der Ratgeber Was kostet ein Auto im Jahr in der Schweiz?